Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

aktuell muss davon ausgegangen werden,  dass sich die Niedrigzinsphase, die sich bereits seit einer Dekade entfaltet, als dauerhafte Realität manifestiert. Davon sind die berufsständischen Versorgungswerke direkt betroffen, denn festverzinsliche Wertpapiere sind aus Sicherheitsgründen ein wesentlicher Bestandteil versicherungsaufsichtsrechtlicher Vorschriften für die Kapitalanlage des Sicherungsvermögens eines Versorgungswerks.

Bei einer maximal zulässigen Risikokapitalquote von 35% und einer Immobilienquote von maximal 25% haben Negativzinsen für sichere Staatsanleihen der Eurozone bis in den 30-jährigen Laufzeitenbereich hinein starke Auswirkungen auf die kalkulatorischen Grundlagen einer kapitalgedeckten Altersvorsorgeeinrichtung.

Bis zum Jahr 2017 wurden Beiträge zum Versorgungswerk mit 4% verrentet. Alle Anstrengungen im Kapitalanlagenbereich auch im Niedrigzinsumfeld attraktive Renditen zu generieren, reichen aufgrund der genannten Höchstgrenzen für Risikoassets bzw. Immobilien nicht aus, dauerhafte Zinsausfälle oder gar Negativzinsen in einem großen Block des Sicherungsvermögens kompensieren zu können.

Ihre berufsständischen Vertreter in den Gremien des Versorgungswerks haben deshalb beschlossen, neben umfassenden Maßnahmen im Kapitalanlagenbereich auch den versicherungstechnischen Geschäftsplan an die neue Realität anzupassen, nachdem die Reaktionsmöglichkeiten auf Seiten der Kapitalanlagetätigkeit weitgehend ausgeschöpft wurden.

Für Beiträge ab dem 01.01.2018 wurden die Verrentungssätze in einem ersten Schritt gesenkt. Der Kalkulation liegt nun eine Verzinsung von 3,5% zu Grunde. Diese Maßnahme soll den Aufbau zusätzlicher Reserven ermöglichen, die jedoch nicht für Leistungsanhebungen zur Verfügung stehen. Sie werden künftig für die Senkung des Rechnungszinses benötigt.

Die Vertreterversammlung konnte am 26.11.2019 beschließen, bereits zum Bilanzstichtag 31.12.2018 einen Teil dieser Reserven zu verwenden, um den Rechnungszins von 4% auf 3,85% zu senken. Die rückwirkende Neubewertung der Anwartschaften und Renten wurde dadurch gegenfinanziert. Mit dieser Maßnahme werden alle erworbenen Anwartschaften und laufenden Rentenzahlungen rückwirkend angepasst ohne diese in ihrer bisherigen Höhe nachträglich kürzen zu müssen.

Im aktuellen Kapitalmarktumfeld ist mit den aktuell zulässigen Risikokapitalquoten ein sicher zu erzielendes Renditeziel von über 3% p.a., respektive ein Bilanzierungszins von 3,85% immer noch sehr ambitioniert. Renditen aus Risikokapitalanlagen wie Aktien etc. unterliegen naturgemäß Schwankungen. Dafür sind ebenfalls hohe Sicherheitspolster in Form von bilanzieller Risikovorsorge vorzuhalten.

Eine dauerhafte Niedrigzinsphase auf aktuellem Niveau eröffnet keine Spielräume für die nachhaltige Erwirtschaftung von Renditen oberhalb des versicherungstechnischen Geschäftsplanes und deren Weitergabe an die Versicherten in Form von Leistungsanhebungen für Anwartschaften und Renten.

Wir gehen im Gegenteil davon aus, dass weitere Anpassungen der Verrentungszinsen für neue Beitragseinnahmen erforderlich sind. Dies belastet die junge Generation. Nach dem Gebot der Generationengerechtigkeit gilt es einen Ausgleich zwischen Rentenbeziehern und Beitragszahlern herzustellen. Sollte sich das fundamentale Bild an den Kapitalmärkten grundlegend ändern, so wären zunächst die betroffenen Anwartschaften wieder anzuheben. Erst dann können Renten und Anwartschaften wieder im Gleichlauf angehoben werden.

Weitere Rückfragen beantworten wir jederzeit gerne.

IHR VERSORGUNGSWERK