Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

wir erhalten aufgrund der aktuellen Entwicklungen rund um die Corona Pandemie vermehrt Anfragen von Architektinnen und Architekten. Diese beziehen sich vorrangig auf die an uns zu leistenden Beiträge. In aller Kürze fassen wir daher für Sie zusammen:

1. Selbständige Architekten
Die Beitragshöhe eines selbständigen Teilnehmers regelt § 16 unserer Satzung. Sollten Sie als aufgrund der momentanen Einschränkungen geringere Einkünfte erzielen, können Sie jederzeit einen geringeren Beitrag beantragen. Der Mindestbeitrag beträgt im Jahr 2020 monatlich 310,50 €. Um eine zügige Bearbeitung gewährleisten zu können, stellen Sie den Antrag bitte möglichst elektronisch per E-Mail.
Nach § 19 unserer Satzung besteht auch die Möglichkeit, ein Ruhen der Beitragszahlungen zu beantragen. Sofern Ihre gesamten Jahresnettoeinkünfte aus beruflicher Tätigkeit irgendwelcher Art, vor Abzug von steuerlichen Freibeträgen, unter 1/5 des für den Regelbeitrag maßgebenden Einkommens ( = 16.650,00 € jährlich / 1.380,00 € monatlich in 2020) liegen, können Sie einen entsprechenden Antrag. Der Antrag ist schriftlich zu führen. Es bedarf keines Formblatts. Auch hier sollte der Antrag möglichst elektronisch eingereicht werden. Auf Verlangen hat der Teilnehmer den Nachweis zu führen.

2. Angestellte Architekten
Die Beitragshöhe eines angestellten Architekten regelt § 17 unserer Satzung. Sollten Sie aufgrund der momentanen Einschränkungen geringeres Gehalt beziehen, zum Beispiel durch Kurzarbeitergeld, berücksichtigt Ihr Arbeitgeber dies in den monatlichen abzugebenden elektronischen Beitragsmeldungen. Die monatlichen Beitragsfestsetzungen erfolgen ausschließlich auf Basis der Beitragsmeldung Ihres Arbeitgebers. Aus diesem Grund brauchen Sie hier nichts Weiteres zu veranlassen, sofern Ihr Arbeitgeber die Beiträge zahlt oder Sie ein SEPA-Lastschriftmandat erteilt haben. Es wird automatisch der niedrigere Beitrag abgebucht bzw. durch Ihren Arbeitgeber überwiesen. Sind Sie Selbstzahler und überweisen die Beiträge, müssen Sie den Beitrag entsprechend aus Ihrer Gehaltsabrechnung ablesen und an uns überweisen. Zur Vereinfachung erteilen Sie uns bitte umgehend ein SEPA-Lastschriftmandat. Das dazu nötige Formular finden Sie unter https://www.vwda.de/wp-content/uploads/VWDA_Lastschrifteinzug.pdf.

3. Stundung Arbeitgeber
Stundungsanträge von Arbeitgebern gem. § 76 Abs. 1 SGB IV können leider nicht entsprochen werden. Die Vorschriften der Sozialgesetzbücher gelten nicht für Versorgungswerke. Dies bedeutet, dass sozialrechtliche Vorschriften, wie z.B. § 28 e SGB IV, wonach der Arbeitgeber Beitragsschuldner gegenüber dem Sozialversicherungsträger ist, im berufsständischen Versorgungsrecht keine Anwendung finden. Somit besteht kein Rechtsverhältnis zwischen dem Versorgungswerk und dem Arbeitgeber. In der Regel zahlt zwar der Arbeitgeber die Rentenversicherungsbeiträge direkt an das Versorgungswerk, aber bei berufsständischen Versorgungswerken liegt die Beitragspflicht allein beim Teilnehmer, der gegebenenfalls Ansprüche gegen Dritte hat (wie zum Beispiel dem Arbeitgeber). Aus diesem Grund hat das Versorgungswerk der Architektenkammer Baden-Württemberg keine Möglichkeit, verbindliche Vereinbarungen zur Stundung von Rentenversicherungsbeiträgen mit Arbeitgebern einzugehen.

Ergebnisse der Wahlen Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Hamburg

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Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

aktuell muss davon ausgegangen werden,  dass sich die Niedrigzinsphase, die sich bereits seit einer Dekade entfaltet, als dauerhafte Realität manifestiert. Davon sind die berufsständischen Versorgungswerke direkt betroffen, denn festverzinsliche Wertpapiere sind aus Sicherheitsgründen ein wesentlicher Bestandteil versicherungsaufsichtsrechtlicher Vorschriften für die Kapitalanlage des Sicherungsvermögens eines Versorgungswerks.

Bei einer maximal zulässigen Risikokapitalquote von 35% und einer Immobilienquote von maximal 25% haben Negativzinsen für sichere Staatsanleihen der Eurozone bis in den 30-jährigen Laufzeitenbereich hinein starke Auswirkungen auf die kalkulatorischen Grundlagen einer kapitalgedeckten Altersvorsorgeeinrichtung.

Bis zum Jahr 2017 wurden Beiträge zum Versorgungswerk mit 4% verrentet. Alle Anstrengungen im Kapitalanlagenbereich auch im Niedrigzinsumfeld attraktive Renditen zu generieren, reichen aufgrund der genannten Höchstgrenzen für Risikoassets bzw. Immobilien nicht aus, dauerhafte Zinsausfälle oder gar Negativzinsen in einem großen Block des Sicherungsvermögens kompensieren zu können.

Ihre berufsständischen Vertreter in den Gremien des Versorgungswerks haben deshalb beschlossen, neben umfassenden Maßnahmen im Kapitalanlagenbereich auch den versicherungstechnischen Geschäftsplan an die neue Realität anzupassen, nachdem die Reaktionsmöglichkeiten auf Seiten der Kapitalanlagetätigkeit weitgehend ausgeschöpft wurden.

Für Beiträge ab dem 01.01.2018 wurden die Verrentungssätze in einem ersten Schritt gesenkt. Der Kalkulation liegt nun eine Verzinsung von 3,5% zu Grunde. Diese Maßnahme soll den Aufbau zusätzlicher Reserven ermöglichen, die jedoch nicht für Leistungsanhebungen zur Verfügung stehen. Sie werden künftig für die Senkung des Rechnungszinses benötigt.

Die Vertreterversammlung konnte am 26.11.2019 beschließen, bereits zum Bilanzstichtag 31.12.2018 einen Teil dieser Reserven zu verwenden, um den Rechnungszins von 4% auf 3,85% zu senken. Die rückwirkende Neubewertung der Anwartschaften und Renten wurde dadurch gegenfinanziert. Mit dieser Maßnahme werden alle erworbenen Anwartschaften und laufenden Rentenzahlungen rückwirkend angepasst ohne diese in ihrer bisherigen Höhe nachträglich kürzen zu müssen.

Im aktuellen Kapitalmarktumfeld ist mit den aktuell zulässigen Risikokapitalquoten ein sicher zu erzielendes Renditeziel von über 3% p.a., respektive ein Bilanzierungszins von 3,85% immer noch sehr ambitioniert. Renditen aus Risikokapitalanlagen wie Aktien etc. unterliegen naturgemäß Schwankungen. Dafür sind ebenfalls hohe Sicherheitspolster in Form von bilanzieller Risikovorsorge vorzuhalten.

Eine dauerhafte Niedrigzinsphase auf aktuellem Niveau eröffnet keine Spielräume für die nachhaltige Erwirtschaftung von Renditen oberhalb des versicherungstechnischen Geschäftsplanes und deren Weitergabe an die Versicherten in Form von Leistungsanhebungen für Anwartschaften und Renten.

Wir gehen im Gegenteil davon aus, dass weitere Anpassungen der Verrentungszinsen für neue Beitragseinnahmen erforderlich sind. Dies belastet die junge Generation. Nach dem Gebot der Generationengerechtigkeit gilt es einen Ausgleich zwischen Rentenbeziehern und Beitragszahlern herzustellen. Sollte sich das fundamentale Bild an den Kapitalmärkten grundlegend ändern, so wären zunächst die betroffenen Anwartschaften wieder anzuheben. Erst dann können Renten und Anwartschaften wieder im Gleichlauf angehoben werden.

Weitere Rückfragen beantworten wir jederzeit gerne.

IHR VERSORGUNGSWERK